Little Submissions von Jerry Jones (Vague)

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Ich möchte einen englischsprachigen Autor empfehlen. Jerry Jones (Vague) schreibt erotische Kurzgeschichten mit einvernehmlichem Sadomasochismus als Thema.

Little Submissions, Jerry Jones (Vague).
Kurzgeschichten mit weiblicher Dominanz und männlicher Unterwerfung.

Du wirst von ehrlichem und offenherzigem Masochismus und Sadismus lesen. Intimer Verschwörung. Hingabe. Liebe. Auch dann, wenn wir nur einen Augenblick ihres Zusammenseins erhaschen, erleben wir die dominante Frau und den devoten Mann in den Geschichten als ganze, dreidimensionale Menschen. Manchmal ist da nur eine einfache Geste, die das Herz berührt. Manchmal spielen die Figuren ein kompliziertes Spiel miteinander. Natürlich handelt es sich um abgekartetes Spiel. Es ist Sadomasochismus. Freiwillige Ungerechtigkeit.

Es wird gefaucht und geweint und geschrien. Es wird gelacht. Es wird gemeinsam geschwiegen. Nicht alles verläuft nach Plan. Es sind Menschen, nicht SM-Roboter.

Einem Kink-Bingo-Spieler nicht unähnlich, verwendet der Autor eine Fülle kreativer Ideen mit freudiger Neugier. Es gibt ein großes Archiv zu entdecken.

Die Codes für die Geschichten sind: F/m, einvernehmlich
Sie sind so vieles mehr.

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This text in English

Wenn du willst, nimm mich

Mein Bewusstsein erwacht aus Träumen, in denen es sich auf schneebedeckten Hängen austobte. Wo bin ich denn? Ah ja.

Ein frostklirrender Morgen. Draußen sieht es grau aus. Wird es Neuschnee geben?

“Guten Morgen,” murmele ich schlaftrunken.

Mein Geliebter hört, dass ich wach bin. Er rutscht näher zu mir. Ich hebe meine Bettdecke an, und er legt sich direkt neben mich, warm an warm.

Ich schließe meine Augen noch mal und legen einen Arm über ihn.

Doch da ist noch mehr. Mehr als lächelndes morgendliches Nebeneinander. Ich merke es. Er ist unruhig. Es treibt ihn. Er sucht näher als nah.

Ich frage ihn “Willst du was fragen?”

Die Antwort kommt.

Er sagt leise “Wenn du willst, nimm mich.”

Und mehreres geschieht in mir auf einmal.

Zum einen abstraktes Glück. Seine Wortwahl und was dahinter steht. Wenn du willst, nimm mich. Sein Talent zur Unterwerfung. Dass er es sagt.

Während ich mich noch frage, ob ich ihn denn gerade nehmen will oder nicht, kommt in mir schon die Antwort. Wie ein weites Feld glitzernder goldener Punkte, das von vorne nach hinten durch meine Wahrnehmung schwimmt, wird in meinem Gehirn das Entzücken losgelassen.

Ich beuge mich über ihn, ihn zu küssen, so gut.

Es breitet sich die Lust in meinem Körper aus. Da ist er, dieser wundervolle Mann. Er wird machen, was ich will. Ich strecke mich, richte meinen Oberkörper auf meinen Armen auf.

Gleichzeitig geht ein Teil meines Denkens logistischen Fragen nach: Ist das kalt! Fenster zu machen und Heizung aufdrehen. Haben wir Kondome und Gleitmittel mitgenommen? Haben wir. Heute Vormittag ist dann wohl nichts mit Skifahren. Vielleicht nachmittags? Mal schauen. Falls ich Lust bekommen sollte, ihn zu schlagen, haben wir aber nichts dabei, oder? Doch, meine Haarbürste.

Ich will ihn ganz sehen. Jetzt. Ich muss ihm sagen, dass er sein T-Shirt ausziehen soll.

Und Erregung und Begehren und Zuneigung und banale Detailplanung erwachen, alles gleichzeitig.

Copyright (C) Ranai Pahav 2011

If you want to, take me in English

Aus dem Nirgendwo

Da passierte es wieder.

Vor ihren Augen zeichnete sich der Umriss seiner Kehle ab. Sie hob die Hand und berührte seinen Adamsapfel mit zwei Fingern.

Seine Hände bewegten sich im Reflex. Er hielt inne und presste die Hände neben seinem Körper herunter. Ganz leicht hob er sein Kinn.

Ein Nachmittag in der Sonne, faulenzend nebeneinander auf der Bettdecke liegend, zog sich in einem Moment zusammen. Weißes Begehren schoss von ihrer Klitoris zum Solarplexus. Alles um sie herum verblasste zu Nichts, ihr Bewusstsein in ihren Kreis gegossen.

Sie rappelte sich auf und setzte sich auf ihn, seine Hüften zwischen ihren Schenkeln, und zog sein Hemd hoch. Sie legte ein Ohr auf sein Herz, ließ seine Haare ihr Gesicht streicheln, während sie lauschte, wie es schneller schlug. Als sie ihren Kopf wieder hob, schaute sie in seine offenen Augen. Beim Einatmen ließ sie ihre Nasenflügel blähen.

Zur Antwort schob er die Hände hinter dem Rücken zusammen, so dass sie unter seinem Körper gefangen lagen. Den Kopf zur Seite gedreht und das Kinn hebend, bot er ihr seine Kehle dar.

Es zog sie herunter und überflutete sie mit Zärtlichkeit und Zerstörungstrieb. Mit geschlossenen Schneidezähnen berührte sie seinen Adamsapfel, berührte wieder mit einem angedeuteten Biss, und schnappte dann über ihm die Zähne zusammen. Das Geräusch ließ ihn zusammenfahren. Sie spürte das schnelle Zucken seines Körpers zwischen ihren Beinen.

Sie nahm sein Gesicht zwischen die Hände. Wieder sahen sie einander an. Ihre Augen öffneten sich, zeigten den Abgrund, zeigten alles ihm, Beute und Komplize zugleich.

Mit gefletschten Zähnen fauchte sie. Ein trockenes, krächzendes Geräusch.

Sie wussten: alles konnte geschehen.

Copyright (C) Ranai Pahav 2010

Out of nowhere in English

Leere Hand?